Texte

  • Die Präzision des Zufalls

    Jeder der schon mal einen Film — egal welcher Länge — geschnitten und mit Musik unterlegt hat, kennt diesen Effekt. Man fügt ein Musikstück ein und, ohne das man es geplant hätte, passte es an verschiedenen Stellen, wie die Faust aufs Auge. An anderen Stellen passt es vielleicht nicht so gut, ist aber zumindest nicht störend. Spätestens seit man Kinofilme leihen oder kaufen konnte, haben Menschen angefangen zu experimentieren. Während der Film auf dem Fernseher lief und der Ton abgeschaltet wurde, hat man über die Stereoanlage einen andren Sound dazu abgespielt.

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  • Auf der Suche nach dem verlorenen Optimismus

    Ich wäre gerne ein Optimist, weil es das Leben entschieden leichter macht. Aber ich bin Realist und das bedeutet in diesen Zeiten, Pessimist zu sein. Jeden Tag kann man lesen, wie es mit unserer Zivilisation weiter vor die Hunde geht. (Alle behaupten immer, man müsse „den Planeten“ retten. Die Erde wird weiter ihre Ellipsen um die Sonne ziehen, wenn Homo sapiens längst ausgestorben ist.) Der Klimawandel schreitet schneller voran als erwartet und wir werden weitere Kipppunkte reissen auf dem Weg zurück in die Steinzeit. (Ja, ich weiß, dass es da draussen immer noch Geisteskrüppel gibt, die den Klimawandel für eine Erfindung linker Verschwörer halten. Aber wer Verstand hat und ihn auch benutzt, weiß es besser.) Denn wir haben die ersten Kipppunkte schon längst hinter uns gelassen: Der Regenwald in Südamerika beginnt an einigen Stellen zu versteppen und der schmelzende Permafrost in Sibirien setzt große Mengen des Treibhausgases Methan frei. Und dabei steigt der weltweite Ausstoß von Kohlendioxid aus fossilen Energieträgern noch immer an.

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  • Saurer Apfel

    Ich habe habe hier schon mehrfach darüber geschrieben, warum ich die sogenannten „Sozialen Netzwerke“ und speziell den Meta-Konzern ablehne. Daran hat sich nichts geändert.

    Nun wird mir aber von vielen Seiten (Künstler*innen, Literatur1, Fernsehberichte) geraten, meine Kunst auch auf Instagram zu promoten. Es scheint sich um eine ökonomische Notwendigkeit zu handeln.

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  • Warum Kunst?

    Ich bin vor einiger Zeit auf ein Heftchen aus der Reihe „Riemschneider Lectures“ mit dem Titel „Wozu brauch man Kunst?“ gestoßen. Es handelt sich um die Transkription eines Vortrages, den Jean-Luc Nancy am 14.02.2017 in der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe gehalten hat und beginnt mit der Frage, ob Menschen überhaupt Kunst brauchen. Er nennt: „Mönche und Nonnen, die nichts von der äußeren Form wissen wollen, die sich ganz dem, was man Innerstes nennt, und dem außerhalb der Welt widmen.“, als Beispiel für Menschen, die ohne Kunst auskommen. Ich denke aber, dass er da unpräzise ist, weil die Klöster, die ich bisher besichtigen durfte, voller Kunst waren. Doch auf Asketen und Eremiten könnte seine Mutmaßung zutreffen: „Vielleicht braucht man […] keine Kunst, wenn man in einer gewissen Weise schon außerhalb der Welt ist, über die Welt hinausgeht.“

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  • Wiegenlied

    Verwirrt und ratlos bin ich heut‘ erwacht,
    sortieren musst’ ich erst den Sog der Nacht.
    Wie schwer fällt mir derzeit das Lachen,
    weil die in Berlin nur Unsinn machen.

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