Texte

  • Kino oder Fernseher

    Gestern hat unser Kino wieder einen Film gezeigt. Zum ersten Mal seit dem Shut Down. Die Auflagen zur Eindämmung von Ansteckung sind enorm. Im ganzen Gebäude mit seinen sechs Sälen dürfen sich nur einhundert Menschen aufhalten. Ein wirtschaftlicher Betrieb des Kinos ist so nicht möglich. Aber sie machen wieder auf. Für einen Film, in zwei Sälen, zeitversetzt: „Pferde stehlen“. Im Parkett von Kino 1 war ich allein. Ich konnte hören, dass noch andere Besucher oben auf dem Rang saßen, sehen konnte ich niemanden. Ich liebe es, in einem fast leeren Kino zu sitzen. Vor vierzig Jahren, als ich anfing ins Kino zu gehen, gab es in meiner Stadt noch Vorstellungen um 11 und 14 Uhr, so dass ich oft direkt nach (und manchmal auch während) dem Unterricht ins Kino gegangen bin. Da war es auch so leer. Das kollektive Erlebnis ist es also nicht, was mich ins Kino zieht.

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  • Die rote Pille

    Sind Sie in den sozialen Netzwerken unterwegs? Nicht? Herzlichen Glückwunsch, Sie brauchen nicht weiterzulesen. Alle anderen sollten weiterlesen. Die aber werden diesen Text gar nicht finden, weil sie in Ihrer Filterblase so gefangen sind, dass sie ausserhalb davon nichts mehr wahrnehmen. Theoretisch dürfte also diesen Satz niemand mehr lesen. Egal ich erzähl einfach mal weiter. Ich habe vor ein paar Wochen angefangen meine Accounts in den sozialen Netzwerken zu löschen.

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