Lifestyle-Teilzeit find ich gut!
Ich war früher Pilot bei einer Deutschen Airline. Erstmals ging ich in Teilzeit um nach dem 11. September 2001 Entlassungen zu verhindern. In meiner freien Zeit habe ich einen erfolglosen Dokumentarfilm gedreht, war also alles andere als faul. Meine Erfahrungen damit waren durchweg positiv.
Später, nachdem die rot-grüne Regierung unter Schröder das Recht auf Teilzeit geschaffen hatte, ging ich aus Gründen der Work-Life-Balance erneut in Teilzeit. Weil das ein anstrengender Job ist und ich noch was anderes vom Leben wollte. Die Arbeit als Pilot habe ich sehr gerne getan. Ich hatte das Büro mit der schönsten Aussicht der Welt. Dagegen, lieber Herr Merz, ist Ihr Blick aus dem Kanzleramt ein Scheißdreck. Aber es gibt eben noch mehr als Arbeit und Geld. Teilzeit ermöglichte mir zu reisen und mich meiner kreativen Ader widmen. Und das war für mich ein wichtiger Ausgleich.
Ständig hören wir aus der Christlichen Union, wir müssten mehr arbeiten, um unseren „Wohlstand“ zu sichern. Wenn die Konservativen so etwas von sich geben, dann meinen sie aber nicht den Wohlstand der Allgemeinheit, sondern die Vermögen der Reichen, die ihre Millionen in Aktien und anderen Investments untergebracht haben, um immer noch mehr Geld daraus zu machen. Für das sie im Übrigen weniger Steuern zahlen, als andere für ihr hart erarbeitetes Einkommen.
Das einzige was Konservative konservieren wollen,
sind ihre Reichtümer!
Wohlstand, liebe Parteien mit dem „C“, ist für normale Leute auch die Möglichkeit weniger arbeiten zu müssen. Die Gründe, warum jemand weniger arbeiten möchte, gehen niemanden etwas an! Ob es um Kindererziehung, Angehörigenpflege, Faulheit oder den Wunsch mal etwas anderen zu tun geht, jeder soll die Möglichkeit haben weniger zu arbeiten. Das, liebe Leute, ist eine bürgerliche Freiheit, auf die wir Anspruch erheben müssen. Besonders gegenüber denen, die von ihren selten erarbeiteten, meist ergaunerten oder ererbten Millionen leben und deren Lobby in der Politik — und besonders im rechten Spektrum — viel zu viel Einfluss hat.
Meine Meinung mag einseitig sein und aus einer privilegierten Perspektive heraus entstanden sein. Aber deswegen kann sie trotzdem zutreffen.
Lifestyle-Teilzeit ist ein Zeichen von Wohlstand! Ihr Verlust wäre ein ein Rückschritt, aber was anderes soll man auch von einer „christlich-konservativen“ Politik erwarten, die — wider besseres Wissen — dem goldenen Kalb des Wirtschaftswachstums hinterherhechelt.